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Wie lässt sich Zukunft neu denken?

11. Aug.
5 Min. Lesezeit

Eine Vision für das eigene Leben zu haben, klingt zunächst einfach. Aber wenn ich frage: "Was wünschst du dir wirklich für die nächsten fünf Jahre?" kommt häufig erst einmal: "So genau weiß ich das gar nicht." Wir sind es gewohnt, Ziele zu formulieren, Probleme zu lösen und den nächsten Schritt zu planen. Aber sich Zeit nehmen, um eine vielversprechende Zukunft entstehen zu lassen? Dafür gibt es wenig Raum in unserem Alltag.


Wie finde ich überhaupt heraus, was ich wirklich will?

 

Dafür braucht es einen Prozess, der hilft, wieder Zugang zu den eigenen Wünschen zu bekommen. Einen geschützten Raum, in dem ein oder mehrere Zukunftsbilder entstehen können. In meiner strukturieren Visionsarbeit gehe ich dabei in zwei Schritten vor.

 


Den eigenen Lebensträumen begegnen

Im ersten Schritt wenden wir den Blick nach innen und öffnen uns für unsere Träume fürs Leben. Statt sofort nach Lösungen zu suchen, geht es darum, groß zu denken und den eigenen Sehnsüchten Raum zu geben.


Dabei arbeite ich mit drei Perspektiven.


  1. Herzenswünsche erkunden


Im Alltag treffen wir viele Entscheidungen mit dem Kopf. Für eine persönliche Vision lohnt es sich jedoch, bewusst mit dem Herzen in Kontakt zu kommen. Hilfreiche Fragen sind:

 

·       Liebes Herz, was wünschst du dir?

·       Was wünsche ich mir von ganzem Herzen?


Aus dieser Perspektive tauchen Wünsche auf, die im hektischen Alltag kaum Platz haben: Mehr Kontakt zu den Eltern, regelmäßige Gespräche, gleichzeitig Freiraum für sich selbst und mehr Freude im Leben.


  1. Den eigenen Beitrag zur Welt entdecken


Eine erfüllende Vision geht oft über die eigene Person hinaus. Sie verbindet uns mit etwas Größerem. Was durch uns in der Welt entstehen möchte. Die zentrale Frage lautet:

 

·       Liebes Leben, was wünschst du dir von mir?

 

Dabei können Wünsche auftreten, wie z.B. sich stärker für Natur und Nachhaltigkeit einzusetzen. Oder ein lebendiges Miteinander in der Nachbarschaft zu unterstützen.



  1. Kindheitsträume wieder entdecken


Kinder erlauben sich, groß zu träumen, was sie später im Leben sein werden. Ohne dass diese Träume dem Realitätscheck stand halten müssen. Viele dieser Träume erzählen etwas über unsere Sehnsüchte. Fragen dazu können sein:

 

·       Was hattest du als Kind für Träume vom Leben gehabt?

·       Was hat dich damals begeistert?


Da tauchen Erinnerungen an vergessene Kindheitsträume auf. An ein Leben als Ballett-Tänzerin oder als Inhaber eines kleinen Hotels in Griechenland, das Menschen aus aller Welt willkommen heißt.

 

Nicht jeder Kindheitstraum wird Wirklichkeit. Doch häufig steckt darin ein Wert, der bis heute wichtig geblieben ist – Gastfreundschaft, Freiheit oder Verbundenheit beispielsweise.

 


Dem Zukunfts-Ich begegnen


Der zweite Schritt der Visionsarbeit baut auf der Ahnung der eigenen Träume auf. Jetzt entsteht ein konkretes Zukunftsbild. Dafür beginnt eine gedankliche Reise in die Zukunft.


Eine Reise, deren Ziel es ist, dem eigenen Zukunfts-Ich zu begegnen. Und zwar nicht irgendeinem Ich, sondern der bestmöglichen Version von sich selbst. Also einer Version, für die sich das Leben ideal entwickelt hat.

Dabei helfen Fragen wie:

 

·       Wo lebst du bzw. dein Zukunfts-Ich?

·       Wie sieht dein Alltag in der erwünschten Zukunft aus?

·       Wie fühlst du dich?

·       Wer ist an deiner Seite?

·       Wofür nutzt du deine Zeit?


Bei dieser Reise wird ein Tag in der erwünschten Zukunft durchlebt. Das macht es konkret und erlebbar. Im Kopf wird alles simuliert: Wie stehst du auf? Was siehst du zuerst? Wie fühlst du dich? Was ziehst du an? Was machst du dann?


Wenn wir die verschiedenen Alltags-Szenen mental erleben, entstehen innere Bilder. Vorstellungen des zukünftigen Ichs. Je lebendiger und detailreicher sie sind, desto stärker wird auch die emotionale Verbindung. Das ist die Stärke dieser Mentalstrategie.


Das Zukunfts-Ich als Ratgeber

Mit dem Zukunfts-Ich können wir in den Dialog treten. Wir können es zum Beispiel fragen:

 

·       Welchen Rat gibst du mir für heute?

·       Welche Sorgen darf ich loslassen?

·       Worauf sollte ich meine Aufmerksamkeit richten?

 

Oft entstehen dabei überraschend klare Antworten, die im hektischen Tagesgeschehen kaum hörbar wären. Das Zukunfts-Ich kann uns auch einfach danken, dass wir inne halten, und uns bestärken, sich Zeit für die Zukunft zu nehmen.

 


Die Vision sichtbar machen

Anschließend an eine solche strukturierte Visionsarbeit bietet es sich an, aus den Zukunftsbildern eine Collage zu erstellen. Ob sie analog mit Papier, Schere und Klebstift entsteht, oder digital mit einem Whiteboard, ist Geschmacksache. Dabei werden Bilder, Symbolen, persönliche Fotos, Texte und Zitate gesammelt. Und dann so arrangiert, wie es sich stimmig anfühlt.


So existiert die Vision nicht nur im Kopf, sondern wird auch sichtbar. Hat die Collage einen festen Platz, z.B. im Büro oder als Hintergrundbild auf dem Laptop, wird sie zu einem visuellen Anker im Alltag. Und flüstert: Vergiss mich nicht! Hierhin entwickelt sich dein Leben!

 


Vision first. Strategy follows.

Eine Vision allein ändert noch nichts. Zusätzlich braucht es eine Strategie sowie Ziele.


Für eine fokussierte Strategie ist der Weg zur Vision bewußt zu wählen.

Welche Hindernisse können auftreten und mich aufhalten?


·       Wie erreiche ich meine Vision?

·       Auf was möchte ich mich konzentrieren?


Wie eine Landkarte plant und zeigt sie einen Weg durch das Gelände - hin zur Vision in weiter Ferne am Horizont. Die Strategie setzt klare Prioritäten, was wichtig ist und was nicht.


Auf der Landkarte sind auch konkrete Ziele einzuzeichnen. Sie definieren die Zwischenetappen, die in einem überschaubaren Zeitraum erreichbar sind. Wie kleine Inseln unterteilen sie den strategischen Weg.


·       Was möchte ich konkret verändern?

·       Welche Meilensteine sind für das Ziel relevant?


Anhand dieser überprüfbaren Ziele kann die tägliche Arbeit ausgerichtet werden.


Hindernisse gehören dazu

Auf der Etappe zum nächsten Ziel werden Hindernisse auftauchen. Das Wetter kann sich ändern, die Straße kurzfristig gesperrt sein. Deshalb gehören zur Visionsarbeit auch folgende Fragen:

 

·       Welche Hindernisse können auftreten und mich aufhalten?

·       Welche Unterstützung brauche ich?

·       Wie möchte ich mit Rückschlägen umgehen?

 

Manche der Hindernisse liegen im Außen: Ein voller Kalender, Verantwortung im Unternehmen oder familiäre Verpflichtungen. Andere entstehen im Inneren: Perfektionismus oder der Gedanke, es allen recht machen zu müssen. Auch Zweifel und alte Gewohnheiten können auftauchen. 


Wer mögliche Stolpersteine kennt, kann sich bewusst darauf vorbereiten. Und wirksame Taktiken entwickeln, um mit ihnen umzugehen und das nächste Ziel zu erreichen. Das wiederum stärkt die Überzeugung, die notwendigen Schritte umsetzen zu können.


 

Eine Brücke ins Heute schlagen

Der wichtigste Moment beginnt nach der Visionsarbeit. Der Rucksack ist gut gefüllt und fühlt sich dennoch leicht an. Er enthält vier tolle Steuerungskonzepte:

  • eine attraktive Vision, wo es hingehen soll

  • eine fokussierte Strategie, wie der Weg dorthin aussieht

  • konkrete Ziele, was genau erreicht werden soll

  • wirksame Taktiken, was genau getan werden kann.


Jetzt heißt es losgehen! Und den allerersten konkreten Schritt zu machen. Die Frage ist deshalb nicht, wie sich der gesamte Alltag verändern kann. Sondern:

 

·       Welcher kleine Schritt bringt mich morgen meiner Vision ein erstes Stück näher?


Manchmal ist das ein Gespräch. Manchmal ein neuer Termin im Kalender. Manchmal ein kleines Experiment, um auszuprobieren, wie sich das zukünftige Leben anfühlen könnte.


Wie wäre es mit einem Mini-Praktikum am Sehnsuchtsort? Das kann ein Bed & Breakfast im Süden Deutschlands ein, zwei Tage in einem Café oder in einer Tischlerei. Dream big!

 

So entsteht Veränderung nicht auf einen Schlag, sondern Schritt für Schritt.


Quellen:

Bornemann, B. & Schütte, S. (2025). Podcast "Erträume dein Leben". In: Verstehen, fühlen, glücklich sein - der Achtsamkeitspodcast, Folge 136. Flow / Balloon.


Oettingen, G. WOOP my life. Woopmylife.org

 
 
 

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